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BUECHERBORD » ICH VERBINDERezension"Ich verbinde... - die ehemalige Hauptpost in Halle" von Simone Trieder"Mitteldeutsche kulturhistorische Hefte", Band 21, Hasenverlag Halle (Saale) Der hallesche Hasenverlag hat den mittlerweile 21. Band seiner beachtenswerten Mitteldeutschen kulturhistorischen Schriftenreihe ediert. Etwa jedes zweite Heft stammt aus der Feder von Simone Trieder. "Ich verbinde..." heißt lapidar ihr jüngster Band. Darin widmet sich die einstige Stadtschreiberin einem prächtigen Repräsentationsbau mitten in Halles Innenstadt: der ehemaligen Hauptpost und ihrer wechselvollen Geschichte. Gegenüber dem Joliot-Curie-Platz (früher: Alten Promenade), von der Großen Steinstraße (Poststraße) bis weit in den Hansering (Preußenring) hinein erstreckt sich die prachtvolle "Burganlage" im neoromanischen Stil. Mit einem den Gebäudekomplex dominierenden Turm und zwei Innenhöfen war sie in den Jahren 1892 bis 1896 erbaut worden; einer Zeit, in der Halle eine Oberpostdirektion der preußischen Provinz Sachsen beherbergte. Ebenso sorgfältig wie fundiert recherchiert, mit nahezu hundert historischen Fotos und Dokumenten sowie einer Fülle von bisher zumeist umbekannten Fakten und Daten versehen, verspricht der Band auf 114 Seiten eine ebenso kurzweilig-originell wie anspruchsvoll-facettenreiche unterhaltsame Wissensvermittlung. Dabei spannt die Autorin einen Bogen von Postknechten, Postillionen und Straßenräubern über die zeitweilige Einrichtung eines "Büros für Plünderungen und Tumulte", den Einsatz von Post-Omnibussen bis hin zur Luftpost und unternimmt schließlich sogar literarische Abstecher zu Goethes "Italienische Reise" oder Ludwig Börnes "Monographie der deutschen Postschnecke". Den bereits erwähnten dominanten Turm bekrönte einst ein 13 Meter hohes Stahlgerüst - der sogenannte Kabelturm. Von ihm waren die Fernsprechfreileitungen in alle Himmelrichtungen gezogen worden. Nachdem die Kabel seit Ende der 1920er Jahre unterirdisch verlegt worden waren, hatte er ab 1928 seine Funktion verloren. Der Präsident der Reichsbahndirektion verfügte deshalb 1938 die Entfernung des Gerüstes. Allerdings befürchtete er zudem im Kriegsfall mit dem weithin sichtbaren Turm ein besonderes gefährdetes Angriffsziel. Die Demontage verkürzte den Turm um eine Etage. Die gleichzeitig entfernte Turmuhr wurde später durch eine neue attraktive Tierkreiszeichen-Uhr ersetzt. Die bauliche Ausdehnung des burgähnlichen Komplexes verdeutlicht auch die große Bedeutung, die man in der Kaiserzeit der Briefpost, dem Päckchen- und Pakettransport, der Telefonie und der Telegrafie beimaß. Seinerzeit benötigten die technischen Gerätschaften ob ihrer Größe entsprechende Räumlichkeiten. Allerdings zerstreut Simone Trieder Befürchtungen, E-Mails, Mobiltelefone und SMS-Versand würden bald den guten, alten Briefverkehr ersetzen. Ebenso, wie die oft totgesagten Bücher heute von einem Auflagenrekord zum nächsten jagen, will die Post, so schreibt die Autorin, für 2009 eine Zunahme des Briefverkehrs registriert haben. Allerdings wird wohl eine bis zu zwölfmalige tägliche Briefkastenleerung zu Zeiten Franz Kafkas ewige Historie bleiben... Häufig sei das Gebäude am Hansering, so Trieder, "Zaungast"
politischer Machtdemonstrationen gewesen. Beispielsweise wurde die Hauptpost
während der Märzkämpfe 1919 als Hauptquartier der Regierungstruppen
zur Festung erklärt. Kurz vor Kriegsende zerstörte ein Bombentreffer
der Alliierten im März 1945 das Fernmeldeamt. 1967 wurde die "Rote
Fahne" am Vorabend des 50. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution
eingeweiht. Zu DDR-Zeiten hatte die Staatssicherheit zur Postkontrolle unter
permanenter Verletzung des Briefgeheimnisses Räume in dem Postgebäude
gemietet. 1989 beschäftigte die Abteilung M der Staatssicherheit - zuständig
für die Postkontrolle - hier in Halle 153 Personen. Im September 1989 wurden
in der Bezirksverwaltung Halle 121.000 Sendungen "bearbeitet", im
Oktober waren es 135.600. Halle gehörte zu den letzten Bezirksverwaltungen
des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), die ihre Postkontrolle einstellten
- im November 1989. Seit 2007 ist die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH, mit deren Unterstützung "Ich verbinde..." erschien, Eigentümer und Nutzer des Gebäudes. 2008/09 wurde es umfangreich restauriert und renoviert. Die Post ist weiterhin Mieter, ebenso mehrere Dienststellen des Saalekreises, die unlängst aus dem bisher genutzten Gebäude in der Wilhelm-Külz-Straße auszogen. Simone Trieder, die auch als Lektorin und Redakteurin arbeitet, schreibt gegenwärtig an einem neuen Roman. Sein Titel: "Chrzanszcz" (Der Käfer). Rezension von Bernd Heinrich Simone Trieder, "Ich verbinde...", Hasenverlag Halle (Saale),
2011, "Mitteldeutsche kulturhistorische Hefte", Band 21, 114 Seiten,
12.80 Euro, ISBN 978-3-939468-57-8
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